Was ist Ethereum?

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Vielleicht hast Du schon mal von Ethereum gehört. Dabei handelt es sich um ein dezentrales System, das auf der Grundlage der Blockchain-Technologie basiert. Dezentral bedeutet in diesem Fall, dass die Daten des Systems nicht auf einem einzigen Computer schlummern, sondern auf sehr vielen verschiedenen Rechnern verteilt sind. Was eine Blockchain ist und wie sie funktioniert, werde ich in einem extra detailliertem Beitrag erklären. Du kannst Dir eine Blockchain, vereinfacht gesagt, wie eine Art Protokoll oder Kassenbuch vorstellen, dessen Einträge nicht mehr verändert oder gelöscht werden können.
Nach der Kryptowährung Bitcoin, die ebenfalls auf der Blockchain basiert, ist Ethereum gewissermaßen das System, welches die zweitgrößte Kryptowährung mit dem Namen “Ether” verwaltet (Stand: Februar 2018).

Des Weiteren ist Ethereum die Basis für viele weitere Kryptowährungen, da das System auch “Anfängern” ermöglicht, eine eigene Kryptowährung bzw. intelligente Blockchain-Anwendungen zu basteln. Endlich die Bundestagswahl online? Genau das könnte der deutsche Staat absolut transparent und vollkommen manipulationssicher auf der Ethereum-Blockchain abbilden! Und das ist nur ein fantastisches Beispiel dafür, was mit Ethereum alles so möglich ist …

Geschichte von Ethereum

2013 wird die Idee von Ethereum und der Währung Ether erstmals von dem 19-jährigen Programmierer Vitalik Buterin zu Papier gebracht. Anfang 2014 wird das Konzept öffentlich auf der Bitcoin Konferenz in Miami vorgestellt. Kurze Zeit später hat sich neben der Ethereum Switzerland GmbH auch die Non-Profit Ethereum Stiftung gegründet. Neben Buterin ist auch Charles Hoskinson einer der großen Köpfe hinter Ethereum. 2015 ging das Ethereum-Netzwerk online. 2016 gab es einige Aufruhr rund um Ethereum. Durch einen Fehler in einem der Smart Contracts wurden mehr als 3,5 Millionen Ether unbrauchbar gemacht – das spaltete die Community, was dazu führte, dass sich das Netzwerk in Ethereum (ETH) und Ethereum Classic (ETC) spaltete.

Ethereum – spezifische Besonderheiten im Detail erklärt

Im Gegensatz zu Bitcoin verbirgt sich hinter Ethereum nicht nur die Kryptowährung Ether, sondern eine Plattform für sogenannte “Smart Contracts”, “DApps” und “DAOs”. Die sind inzwischen in aller Munde und das hat auch seine Gründe.

Unter Smart Contracts kannst Du Dir intelligente Verträge vorstellen, die automatisch ausgeführt werden, sobald eine oder mehrere Bedingungen zutreffen, die auf dem klassischen “wenn-dann”-Prinzip fußen. Das ist wie beim Geldautomat: Wenn Du Deine Karte reinschiebst UND wenn Du die PIN weißt UND wenn Dein Konto gedeckt ist, DANN bekommst Du Geld. Wenn irgendetwas davon nicht zutrifft, ist es blöd 😉 Niemand ist dabei in diesen Prozess involviert und es geschieht automatisch, ohne dass es einen Mittelsmann, einen sogenannten “Intermediär”, gibt.

Die Smart Contracts wären v. a. in der Finanz- und Versicherungsbranche aber auch in anderen wie der Strombranche sinnvoll einsetzbar, wo sonst viele Mittelsmänner wie z. B. Notare agieren müssten.
Auf Ethereum bezogen bedeutet dies, dass das Geld in Form von Ether, das in einem Smart Contract festgelegt wurde, überwiesen wird. Es wird keine Überprüfung durch eine Zwischeninstanz benötigt. Warum? Aufgrund des wenn-dann-Prinzips wird die im Vertrag festgelegte Gegenleistung erzeugt. Natürlich wird jede Transaktion bzw. Überweisung in der Blockchain festgehalten. Bei den Smart Contracts handelt es sich also um vielversprechende, digitale Verträge.

DApps – dezentrale Apps

Und mit Hilfe dieser Verträge kann man DApps entwickeln. Schon wieder so ein Wort. Was verbirgt sich dahinter? DApps sind dezentrale Apps, die gewissermaßen autonom (eigenständig) agieren. Sie gehören niemandem und können daher auch von niemandem gesteuert werden.
Hört sich kompliziert an? Okay, hier mal ein Beispiel. Stell Dir vor, es gäbe eine Nachrichtenseite wie Twitter, auf welcher Menschen aus der ganzen Welt Neuigkeiten veröffentlichen können. Nur mit einem kleinen Unterschied: Es gibt keinen Chef! Kein Unternehmen, keine Regierung, nicht mal die Programmierer selbst haben Zugriff oder Kontrolle über diese Nachrichtenseite. Noch dazu wird die Nachrichtenseite auf Millionen von verschiedenen Rechnern verteilt, was ein Löschen der App durch z. B. eine staatliche Institution so ziemlich unmöglich macht.
Sicher birgt dies auch Gefahren, aber der Vorteil liegt auf der Hand. Niemand könnte z. B. noch diese Nachrichtenseite zensieren, auch China nicht 😉

Und soll ich Dir was verraten? Diese dezentrale App ist keine Fantasie, es gibt sie tatsächlich schon und sie heißt “EtherTweet”. Falls Dich das interessiert, dann schau doch einfach mal unter http://ethertweet.net/ vorbei.

DAO – Dezentrale autonome Organisation

Kommen wir noch zu dem dritten Begriff, DAO. Diese Abkürzung steht für “Dezentralisierte autonome Organisation”. WTF, was ist das denn? Gemeint ist damit eine Organisation, die sich anhand von vorher festgelegten Regeln selbst verwaltet, steuert und organisiert. Es gibt keinen Chef mehr oder ein Management, welches dafür sorgt, dass bei einer DAO alles mit rechten Dingen zu geht. Niemand kann nach Veröffentlichung einer DAO noch Einfluss auf sie nehmen.
Im Grunde ist eine DAO die Mutter der DApps. Ein konkretes Beispiel anhand einer normalen Organisation wie Du sie bereits kennst: Wenn “Microsoft” die DAO wäre, wäre “Windows 10” die DApp.

Anzahl der Coins, Einheiten und Mining

Eine maximale Obergrenze für Ether gibt es bisher nicht. Man einigte sich anfangs mal darauf, dass maximal 25% der zu Beginn existierenden 72 Millionen Ether pro Jahr generiert werden können, also 18 Millionen Ether pro Jahr. Derzeit werden ca. 10,9 Millionen pro Jahr geschürft. Es kann also durchaus zu einer Inflation kommen, wobei bis dahin noch einiges an Luft nach oben ist.
Gerade im Umlauf sind ungefähr 97,5 Millionen Ether (Stand: Februar 2018).

Wie verhält es sich mit dem sogenannten “Mining”? Ähnlich wie bei Bitcoin kann auch Ether “geschürft”, also durch Mining, generiert werden. Wenn ein Block einer Blockchain voll ist, wird dieser von einem “Miner” abgenickt und versiegelt. Als “Entschädigung” für diese Arbeit erhält der Miner Ether, aktuell gibt es pro Block 5 Ether (Stand: Februar 2018). Durch harte Arbeit wird also frisches Ether aus dem Block geschürft 😉

Bei Ethereum wird nicht nur das Verschließen und Versiegeln von Blocks durch Ether belohnt, sondern auch die Bereitstellung von Rechenkraft für die Ausführung von Smart Contracts, DApps und DAOs.

Noch kannst Du auch selbst Ether minen. Es wird jedoch nach und nach immer länger dauern bis Du einen Block findest. Und irgendwann gibt es dann gar kein Mining mehr bei Ethereum. Dies wurde von den Entwicklern so geplant und nennt sich “Ice-Age” (Eiszeit). Sobald die Eiszeit eintritt werden Miner überflüssig. Es ist davon auszugehen, dass die Eiszeit ab Mitte bis Ende 2018 eintreten wird.

Vorteile von Ethereum

Die Besonderheiten Smart Contracts, DApps und DAOs gehören eindeutig zu den Pluspunkten des Ethereum-Netzwerks.
Ich fasse sie hier noch einmal kurz für Dich zusammen. Durch Smart Contracts braucht es keine Mittelsmänner mehr, d. h. Verträge untereinander abzuschließen, wird durch Smart Contracts um ein vielfaches erleichtert. Die eigene Kryptowährung “Ether” dient als Treibstoff bzw. Gas für die Smart Contracts.

Da diese intelligenten Verträge auf der Blockchain gespeichert werden, können sie nicht verloren gehen und sie sind sicher aufbewahrt. Smart Contracts sind vollkommen transparent und Du musst keine Angst vor dem Kleingedruckten oder etwaigen Änderungen haben. Alles, was geändert wird, ist jederzeit sichtbar und muss vor allem vorher abgenickt werden. Und zu guter letzt – und das wird jeden freuen – Verträge abschließen geht richtig flott. Smart Contracts sind enorm zeit- und geldsparend, denn die Mittelsmänner wie Notare fallen weg.

Der große Vorteil von DApps und DAOs liegt darin, dass sie nicht von einem Staat reguliert werden können. In Zeiten politischer Unruhen können sie nicht einfach mal abgeschaltet oder zensiert werden. Sie sind dezentral und unantastbar und das ist auch gut so.

Günstige Transaktionen

Ethereum-Überweisungen sind im Vergleich zu Bitcoin-Überweisungen zurzeit noch deutlich günstiger. Eine Durchschnittstransaktion im Ethereum-Netzwerk kostet derzeit ca. 0,30 Euro (Stand: Februar 2018). Zum Vergleich, bei Bitcoin gab es auch schon Zeiten, wo eine Transaktion zwischen 10 und 20 Euro gekostet hat. Aktuell kostet eine Bitcoin-Überweisung ca. 3 Euro (Stand: Februar 2018).

Nachteile von Ethereum

Weil noch keine perfekte Kryptowährung vom Himmel gefallen ist, hat auch Ethereum so seine Nachteile.
Smart Contracts, DApps und DAOs werden von Menschen erschaffen. Und Menschen machen nunmal Fehler, was Angriffspotential für Hacker bietet. Es ist zwar sehr unwahrscheinlich, aber es besteht durchaus die Möglichkeit eines Angriffes durch Hacker.

Bisher wird die Vertragsfähigkeit der Partner nicht überprüft. Das ist eine Schwachstelle, die in der Zukunft hoffentlich beseitigt werden kann, Stichwort Schwarzgeld. Generell muss überlegt werden, wie Betrug und z.B. Geldwäsche vermieden werden kann, wenn es keine zentrale Kontrollinstanz im ursprünglichen Sinne mehr gibt. Gut wäre auch, wenn man die Smart Contracts eines Tages mit unseren Gesetzen koppeln könnte, hierfür benötigt es jedoch noch viel Zeit und einiges an Hirnschmalz.
Fehler bei Vertragsabschlüssen können nicht ganz so leicht ausgemerzt werden, da Smart Contracts nicht rückgängig gemacht werden können, d.h. an dieser Stelle könnte man fast sagen, dass ein zentraler Mittelsmann fehlt. Vielleicht gibt es ja irgendwann eine Art Smart Contract, der die Rückgängigmachung eines Vertrages regelt 🙂

Preisentwicklung von Ether

Anfang 2016 kullerte 1 Ether bei ungefähr 1-2 EUR rum.
Mitte Januar 2017 bekam man für 1 Ether ca. 10 EUR. Zugegeben, kein Riesensprung. Ab März des Jahres 2017 nahm der Kurs mit 53 EUR aufwärts aber rasante Fahrt auf.
Mitte Januar 2018 kannst Du für 1 Ether schon 1.141 EUR bekommen.
Aktuell ging es wieder etwas bergab auf ca. 417 EUR (Stand: 26. März 2018).

Weiterentwicklung

Der vorerst letzte Entwicklungsschritt von Ethereum wird “Serenity” genannt und soll das Netzwerk von “Proof of Work’” auf “Proof of Stake” umstellen. Was das bedeutet? Ganz kurz und verknappt geht es darum, dass Ethereum, so wie es jetzt läuft, viel zu viel Strom verbraucht. So viel wie Sambia und das ist kein kleines Land. Im Vergleich zu Bitcoin ist das “etwas” weniger aber dennoch uncool. Der Stromverbrauch liegt an den Minern, die ein bestimmtes Verfahren – das “Proof of Work” – durchführen müssen, um eine Transaktion abnicken zu können. Der nächste Schritt ist also dieses Verfahren zu ändern – in “Proof of Stake”. Tiefergehende Infos zum Proof of Work und Proof of Stake werde ich hier bald für Dich zur Verfügung stellen. Mit Ethereum kommt also noch einiges auf uns zu!

Zusammenfassung

Grob gesagt kannst Du Dir unter Ethereum ein unglaubliches Netzwerk vorstellen. Hier kann man zum einen Smart Contracts und zum anderen dezentralisierte Apps und dezentralisierte autonome Organisationen erstellen bzw. zur Verfügung stellen. Die Bezahlung erfolgt mit der eigenen Kryptowährung namens Ether. Durch die Blockchain-Technologie die dahinter steht und die dezentrale Speicherung der Daten werden Mittelsmänner wie z. B. Notare überflüssig.

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