Jed McCaleb – Erfinder von Ripple und technischer Direktor von Stellar

6 Min. lesen

Jed McCaleb ist ein US-amerikanischer Programmierer, der durch das Erstellen mehrerer Technologien bis auf Platz 40 der weltweit reichsten Menschen (laut Forbes Magazin) aufgestiegen ist. Obwohl McCaleb bei wirklich großen Projekten mit dabei war und ist, – meist mit bahnbrechendem Erfolg, aber auch mit bitteren Verlusten – ist es schwer diesen Mann zu fassen zu bekommen. McCaleb wirkt ein bisschen wie ein genialer elektrischer Aal, der sich durch die Finanz- und Technikwelt windet und hier und da mit einem großen Knall ein neues Wunder schafft. Er wurde schon mit Genies wie Steve Jobs und Elon Musk verglichen, die unsere Welt bereits sichtbar verändert haben.

Die bunte Vorgeschichte von McCaleb: eDonkey, Mt. Gox & Co.

In reißerischen Artikeln wird Jed McCaleb oft als hängengebliebener ‚Surfer Boy‘ dargestellt, der seinen Abschluss in Berkeley hinschmiss. Fest steht auf jeden Fall, dass Jed McCaleb 1975 in Little Rock, Arkansas, geboren ist und zu einem der genialsten Programmierer unserer Zeit zählt.

McCaleb wurde zuerst durch die Gründung der Peer-to-peer (P2P) Datenaustausch-Netzwerke eDonkey 2000 und Overnet bekannt. eDonkey wurde schnell zur weltweit beliebtesten Plattform, um u. a. online Musik auszutauschen. Vielleicht kennst Du die Plattform auch noch aus Kindertagen. eDonkey war das größte Filesharing-Netzwerk weltweit, bis es 2007 von BitTorrent überholt wurde. Im Jahre 2006 wurden einige der Hauptserver von der Belgischen Bundespolizei und der RIAA (Recording Industry Association of America) wegen urheberrechtlicher Probleme konfisziert. Seitdem sinken die Zahlen der Nutzer, aber das Netzwerk besteht weiter.

Overnet wurde in gewisser Hinsicht als Nachfolger von eDonkey entwickelt, um die Probleme mit einer geringen Anzahl an zentralen Servern zu umgehen, die anfällig für Probleme waren. Overnet wurde daher über tausende kleine Server verteilt, anstatt wie eDonkey auf zentrale Server angewiesen zu sein.

McCaleb gründete außerdem die erste Bitcoin-Börse namens Mt. Gox. Sie war einst die global führende Bitcoin-Börse und handelte 2014 über 70% aller Bitcoins. Allerdings musste die Firma im April 2014 liquidiert werden, weil 850,000 Bitcoins (mit einem Wert von damals 450 Millionen US-Dollar/ rund 365 Millionen Euro) gestohlen wurden/ verschwunden waren. Damit sorgte Mt. Gox zuerst für die enorme Verbreitung von Bitcoin und anschließend fast für seinen Zusammenbruch. Es wurden zwar 200,000 Bitcoins ‚wiedergefunden,‘ aber viele Menschen verloren das Vertrauen in McCaleb, der Fehlschlag mit Mt. Gox wird ihm immer noch angekreidet.

Der nächste große Schritt (und Fall): Die Kryptowährung Ripple

Die wohl bekanntesten von McCalebs Projekten sind die Krypto-Projekte Ripple und Stellar. Mit Ripple, vorerst Opencoin genannt, wurde McCaleb zum Mitbegründer einer weiteren Erfolgsgeschichte, die wie eine Bombe einschlug. Ripple wurde ins Leben gerufen, weil McCaleb ein großer Fan von Bitcoin, der ersten Kryptowährung, war und glaubte er könnte Vieles verbessern. Aus diesem Grund entschied er sich dazu seine eigene Währung zu erschaffen.

McCaleb erklärt in einem Interview mit Epicentre auf YouTube (26.04.2016), warum er sich so für Kryptowährungen begeistert (frei übersetzt):

Ich denke, dass wir uns in einer Übergangsphase befinden, in der die traditionelle Weise, in der Geld und Zahlungen abgewickelt werden, ein großes Durcheinander ist. Nichts arbeitet zusammen und in diesem Finanzsystem werden viele Menschen außen vor gelassen. In gewisser Weise ist es wie die Zeit vor dem Internet, als Informationen noch ganz anders versendet wurden. Und dann kam auf einmal das Internet und demokratisierte die ganze Sache und öffnete sie für alle. Ich denke, dass wir in Bezug auf Geld durch eine ähnliche Veränderung gehen. Für mich ist es sogar noch aufregender (als das Internet), weil es nicht nur um Informationen, sondern um wirtschaftliche Aktivität geht, welche ich für weitaus befähigender und aufregender halte. (Quelle: Youtube)

McCaleb holte sich 2011 die Experten David Schwartz, Arthur Britto und Chris Larsen mit ins Team. Ripple Labs entstand und mit ihm die neue Kryptowährung XRP. Ripple erleichtert das Versenden von Geld in jeglichen Formen und Farben. Ganz egal ob Du Yen, Euro oder Bitcoin versenden/ tauschen möchtest. Der ehrgeizige Plan ist es, ein weltweites Netzwerk von open-source Servern zu bilden, mit dem es möglich ist, Geld schnell rund um den Globus zu senden. Der besondere Kniff daran ist, dass Ripple dies zu einem Bruchteil der Kosten ermöglicht, die z.B. beim Nutzen einer Bank oder eines Unternehmens wie Western Union entstehen würden.

Ripple wird oft (auch vom Konkurrenten Stellar) dafür kritisiert, dass es fast so zentralisiert ist wie eine Bank. Sämtliche Transaktionen sind auf den Ripple Labs Servern, ähnlich einem Zentralregister, festgehalten.

Ripple derzeit unter den 10 führenden Kryptowährungen

Trotz, oder vielleicht wegen des Erfolgs von Ripple, kam es 2013 zu internen Querelen. Zu den Ursachen zählen angeblich unter anderem McCalebs damals neue Lebenspartnerin, Joyce Kim, sowie Streitigkeiten zwischen McCaleb und Chris Larsen. McCaleb versuchte zuerst, Larsen zu entlassen, das Manöver ging allerdings nach hinten los: Im Anschluss war McCaleb 2013 gewissermaßen gezwungen das Unternehmen zu verlassen. Er hält jedoch, genau wie Mitbegründer Chris Larsen, immer noch neun Milliarden XRP (9% des gesamten Volumens), mit einem geschätzten Wert von 20 Milliarden US-Dollar (Stand: Januar 2018), rund 16,2 Milliarden Euro. Der Ripple Coin, XRP, ist mittlerweile unter den zehn führenden Kryptowährungen (derzeit Platz drei, Stand: 19.03.2018). Vielleicht aus Trotz und, weil sein erster Traum geplatzt war, begann McCaleb ein Jahr später damit eine zweite Kryptowährung mit Joyce Kim aufzubauen, die sie Stellar nannten.

Aktuelle Situation von McCaleb: Technischer Direktor von Stellar

Stellar ist eine open-source Plattform für den Handel mit Vermögenswerten (z. B. Währungen), mit Sitz in San Francisco. Die Firma Stellar wurde 2014 von McCaleb und seiner Partnerin Joyce Kim gegründet. Zu den Mitbegründern zählen auch Keith Rabois, Patrick Collison, Matt Mullenweg, Greg Stein, Joi Ito, Sam Altman und Naval Ravikant. Stellar entstand auf der Basis des Codes von Ripple, durch einen Hard Fork. Das ist eine Spaltung der Blockchain in zwei unterschiedliche Ketten, bzw. Kryptowährungen. Ich mache dazu auch bald einen eigenen Beitrag, hier findest Du schon mal eine gute Erklärung bei einer anderen Währung, die durch einen Hard Fork entstanden ist: Bitcoin Cash). Nach diesem einschneidenden Ereignis entfachte eine Art Mini-Krieg zwischen Stellar und Ripple. In dem ging es darum, welche Währung nach dem Fork sicherer und/ oder fehlerfrei sei.

Stellar wird durch eine Non-Profit Organisation namens „Stellar Development Foundation“ (Stellar Entwicklungs-Stiftung) unterstützt. Die Coins von Stellar nennen sich Lumens (hier findest Du meinen Beitrag zu Stellar Lumens). Es wurden 100 Milliarden vorgemined, weiteres Mining (siehe Beitrag: Was ist Mining?) ist nicht möglich. Die Gründer rühmen sich damit – nach Kritik an Ripple, dessen Gründer einen Großteil der Coins selbst behielten – dass sie nur 5% der gesamten Coins besitzen. Viele sind noch bei der Stiftung. Lumens sind weniger als Langzeitinvestment gedacht, sondern sollen vielmehr als vermittelnde Instanz für Überweisungen zwischen Ländern und Währungen fungieren. Stellar wird als grenzüberschreitende Zahlungslösung zum Beispiel von KlickEx (Neuseeland), der Australischen Nationalbank und dem Giganten IBM genutzt. Derzeit (Stand 19.03.2018) befindet sich Stellar Lumens auf Platz acht der Top 100 Krypto-Coins, also nur fünf Plätze hinter dem Konkurrenten/ Vorgänger Ripple.

Ripple und Stellar bauen eigentlich auf dem gleichen Prinzip auf, nämlich Bitcoin zu verbessern. Stellar unterscheidet sich als ‚neues Baby‘ von McCaleb angeblich dadurch von Ripple, dass es offener angelegt ist und die Gemeinschaft integrieren will. Stellar wird sozusagen als die Zahlungslösung für den kleinen Mann dargestellt/ vermarktet. Die Plattform ermöglicht dementsprechend Mini-Zahlungen in Cent-Beträgen und operiert als mobiles Geld über Landesgrenzen hinweg.

Charakter-Profil: Dramen, Gerüchte und Wohltätigkeit

Während McCaleb auf professioneller Ebene bekannt ist wie ein bunter Hund, ist es vergleichsweise schwer, etwas über seine Privatleben herauszufinden. Das ist vielleicht auf seinen polarisierenden Charakter und extreme Schwankungen in seiner Laufbahn zurückzuführen. Es genügt zu wissen, dass er sich von seiner ersten Frau, MiSoon Burzlaff, scheiden ließ. Sie haben zwei Kinder, um die er sich laut ihr väterlich sorgt. Nachdem er 2013 aus Ripple ausgestiegen ist wurde, verschwand er aus der Öffentlichkeit für fast ein Jahr in der Anonymität.

Mit seiner neuen Flamme, der intelligenten und ambitionierten Joyce Kim (Harvard Absolventin und LinkedIn-Sternchen), begann er nach dem Desaster bei Ripple, Stellar aus dem Boden zu stampfen. Ripple und Stellar sind bis heute Konkurrenten und werden es wohl auch für einige Zeit bleiben.

Aber genug von all den Gerüchten und dunklen Schwaden, die Jed McCaleb in den Medien umwabern. Er ist vor allem ein genialer Programmierer, der sich neben seinen Erfolgen in der Technikwelt auch als Philanthrop zeigt. Er setzt sich mit seiner NGO „Stellar Development Foundation“ weltweit für Gerechtigkeit und Demokratie ein. Und anscheinend möchte er auch dem “kleinen Mann” einen Zugang zum globalen Finanzmarkt ermöglichen. Ein edles Vorhaben – dafür erhält er auf jeden Fall einen Daumen hoch! 😉

In seinem bereits weiter oben zitierten Interview mit Epicentre sagte er (frei übersetzt):

Wir bei Stellar möchten unsere Anstrengungen vor allem auf Entwicklungsländer wie Nigeria konzentrieren. In Nigeria hat die Hälfte der Menschen kein Bankkonto. Es gibt mehrere unterschiedliche Anbieter für mobiles Geld, aber keine von ihnen sind mit den anderen verbunden. Wenn du einen Dienst nutzt, kannst du kein Geld zu einem anderen Anbieter senden. Zahlungen sind ein sehr, sehr großes Problem dort. Wir möchten das Problem dort lösen, wo das Leiden am größten ist.

Die Zukunft von Jed McCaleb

Stellar erweckt bei vielen Cryptofans große Hoffnungen. Mit einer Powerfrau wie Joyce Kim an seiner Seite darfst Du gespannt sein, wozu Jed McCaleb noch fähig ist. Ob sie den Traum von Stellar erfüllen können, ein weltweites Netzwerk von Servern zu bilden, die es zukünftig allen Menschen erlauben am Finanzmarkt teilzuhaben? Sie wollen es ermöglichen, sehr billig und in Echtzeit. Ganz ohne Banken und Regierungen. Sie möchten ermöglichen, jegliche Währung (mit welcher Summe auch immer) zu senden und in einer jeglichen anderen Währung zu empfangen. Wow, das wäre doch mal ein echter Sprung für unsere (noch) so verkorkste Finanzwelt …

Zusammenfassung

Jed McCaleb ist ein wahrer Krypto-Koloss und einer der hellsten Sterne am Kryptohimmel. Trotz diverser Misserfolge, Herzschmerz und Dramen steht vor allem sein immenses Potenzial im Vordergrund. Den Fall Mt Gox klammere ich an dieser Stelle aus. Und zwar weil bis heute Verfahren laufen und unklar ist, was genau passiert ist und wer welche Fehler gemacht hat. Abgesehen einmal davon, hat McCaleb bereits einige Unternehmen, darunter gleich ZWEI Kryptowährungen, (zumindest anfangs) sehr erfolgreich aus dem Nichts geschaffen. Das Projekt von Stellar Lumens hat viel vor – ich drücke die Daumen, dass hier neue technologische Lösungen entstehen.

Sergey Ivancheglo: IOTA Mitbegründer und Krypto-Genie

Cryptowolf
4 Min. lesen

Proof of Importance – was ist das?

Cryptowolf
3 Min. lesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.