Miner, Gamer, Aliens: 3 Millionen Grafikkarten in 2017 verkauft

Moderne Grafikkarten eignen sich dank ihrer hohen Rechenpower vor allem für zwei Dinge: Videospiele, Kryptowährungen und für Aliens. Ich weiß, das sind drei – den Teil mit den Außerirdischen erkläre ich Dir weiter unten im Text. Gerade zwischen den Videospiele-Fans und den Erzeugern („Minern“) von Kryptowährungen gibt es seit ein paar Jahren ein Wettrennen um die neuesten Grafikkarten. Im letzten Jahr wurden 3 Millionen Stück verkauft, insgesamt ein Wert von 776 Millionen US-Dollar. Die Preise sollen dieses Jahr wegen der großen Nachfrage weiter steigen.

Warum Grafikkarten?

In einer neuen Studie wurden neulich die Verkaufszahlen der größten Grafikkarten-Hersteller AMD, Nvidia und Intel zusammengestellt. Nach Medienberichten gab es dabei sowohl bei AMD als auch bei Nvidia bereits Engpässe bei verschiedenen Modellen. „Schuld“ daran ist die Tatsache, dass sich diese Grafikkarten besonders gut dafür eignen, neue Kryptomünzen herzustellen. Dabei werden häufig riesige Mengen solcher Hardware auf einmal gekauft, z. B. für Mining-„Farmen“. Dafür kannst Du Dir Räume voller rechnender Grafikkarten vorstellen, meistens noch mit jeder Menge Lüftern versehen, um die Abwärme wegzutransportieren. Das „normale Computergehäuse“ drumherum fehlt, genau wie ein Monitor, Maus, Tastatur, etc. Die Grafikkarten rechnen und rechnen und stellen dabei Kryptomünzen her.

Das verbraucht leider in einigen Fällen ziemlich viel Strom, doch an Lösungen arbeiet man bereits. Bitcoin ist aufgrund des enormen Stromverbrauchs deswegen schon mehrfach in der Kritik gewesen. Aber es ist auch krass: Für 2018 wird allein für Bitcoin mit einem Stromverbrauch von ganz Argentinien gerechnet. Überleg Dir das mal.

Für Fans von Computerspielen ist die Situation natürlich trotzdem blöd. Neue Grafikkarten können innerhalb von Minuten ausverkauft sein, sobald sie zum Verkauf angeboten werden und die Preise steigen ebenfalls deutlich. Der Vorsitzende des Marktforschungsinstituts, das die neue Studie herausbrachte, meinte, dass Videospiele weiterhin der größte Auslöser für den Verkauf von Grafikkarten sind. Das „Mining“ hat inzwischen aber auch einen deutlichen Einfluss auf Nachfrage und Preise. Ähnliche Entwicklungen gibt es beim Arbeitsspeicher (besonders bei GDDR5 und HBM2 RAM), der inzwischen aus denselben Gründen ausverkauft sein kann.

Die Sache mit den Aliens

Als wäre all dies nicht schon genug Grund, die Faust in Richtung Himmel zu heben und „Waruuuuuuum?“ zu brüllen … noch dazu gehen uns jetzt die Außerirdischen durch die Lappen, weil wir Kryptowährungen berechnen. So oder so ähnlich klingt jedenfalls die Beschwerde des obersten Wissenschaftlers des SETI-Projekts in Berkeley. Hinter der Abkürzung verbirgt sich Search for Extraterrestrial Intelligence – zu deutsch „Suche nach außerirdischer Intelligenz“. Gegenüber der britischen BBC sagte er, die Forscher hätten gerne die neuesten Grafikkarten, um nach außerirdischen Funksignalen im Weltraum zu lauschen. Doch dank des großen Interesses an der Herstellung von Kryptomünzen haben die Forscher jetzt anscheinend Pizza im Horchlappen.

„Wir haben das Geld, wir haben die Verkäufer kontaktiert, und die sagen: „Wir haben sie einfach nicht.‘“

Es wird allerdings davon ausgegangen, dass die Nachfrage nach diesen Modellen langfristig sinken wird, da viele moderne Kryptowährungen auf weniger arbeits- und stromintensive Lösungen umsteigen. Ich kann nur hoffen, dass das stimmt.

 

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